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Geschichtlicher Überblick

Die Seide, die in China entdeckt wurde und dort mehrere Jahrhunderte lang ein gut gehütetes Geheimnis blieb, kam zum Ende des Mittelalters nach Europa. In Frankreich begann die Produktion im Jahr 1466 auf Anordnung von König Ludwig XI. Aufgrund der Nähe zu Italien, von wo Frankreich seine Seide bezog, wurde Lyon als Standort gewählt. Angesichts der großen Nachfrage, geschürt durch die zahlreichen Märkte, durch die sie in der Bevölkerung bekannt wurde, wurde bereits nach kurzer Zeit eine eigene Seidenproduktion in Lyon aufgebaut. Ihren Höhepunkt erlebte die Seidenindustrie unter der Herrschaft von Heinrich II. (1547-1559), bevor sie durch die vierzig Jahre dauernden Religionskriege einen Rückschlag erlebte. Lyon beschaffte sich Webstühle, die es ermöglichten unterschiedliche Produkte herzustellen, wie z.B. Satin oder Velours sowie Bettwäsche, zunächst nur als Einzelstücke und dann auch in größeren Mengen.

Im 18. Jahrhundert wurden wichtige Veränderungen in der Technik der Seidenherstellung eingeführt, um die Arbeit zu erleichtern. Außerdem wurde die Vielfalt an Seidengeweben immer größer. 1740 unternahm der französische Erfinder und Ingenieur Jacques Vaucanson den ersten Versuch, einen mechanischen Webstuhl zu bauen, was zwar scheiterte, aber dennoch einige Verbesserungen ermöglichte.Detail-soie-lyonnaise©Intersoie

Zu jener Zeit sah sich Frankreich auch gezwungen, seine Seidenartikel nach ganz Europa zu exportieren und erlangte dadurch großes Ansehen. Die politische Instabilität und die Revolution führten zu einer Krise, gefolgt von einem Aufstand der Lyoner Seidenweber.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts war die Mechanisierung des Webstuhls abgeschlossen, sie erfuhr zahlreiche Verbesserungen, u.a. durch die Elektrizität. Leider kamen zu jener Zeit jedoch auch neue Textilfäden auf. Im Laufe der Zeit erwies sich ihre Produktion als weniger kostspielig, so dass die Fabrikanten dazu tendierten, anstelle von Seide eher Nylon, Viskose oder Polyester zu verwenden.

Wirtschaft

Der Seidensektor in Lyon war seinerzeit wegweisend in der Wirtschaft. Im 16. Jahrhundert verfügte die Seidenindustrie über 3.000 Webstühle und 12.000 Arbeitskräfte. 200 Jahre später hatte sich die Zahl der Webstühle vervierfacht und die der Arbeitskräfte mehr als verdoppelt. Mit Herannahen des 21. Jahrhunderts änderte sich die Situation, die Zahl der Weber nahm ständig ab. Die heutigen Seidenfabrikanten arbeiten nur noch für den Luxussektor oder zur Aufrechterhaltung der Tradition. Ihre Kunden sind meistens Museen und seltener Privatpersonen.

Tourismus

Heute erzählen zahlreiche Museen die Geschichte der Seidenindustrie in Lyon und zeigen die seinerzeit verwendeten Maschinen. Einmal im Jahr findet der Seidenmarkt statt, wo Sie vier Tage lang zahlreiche Aussteller und Vorführungen entdecken können. Einige der Geschäfte und Werkstätten bieten ebenfalls Seidenaccessoires an: Tücher, Schals, Stolen, Krawatten usw. Eine kleine Liste der wichtigsten Adressen:

  • La maison des Canuts (Haus der Seidenweber): bietet ebenfalls Vorführungen an.
  • Musée du vieil Arbresle (Museum des alten Arbresle): stellt Miniaturwebstühle aus.
  • Le musée des tissus (Stoffmuseum): Geschichte der Textilindustrie.
  • Soierie vivante: Verein zur Bewahrung des Seidenerbes.
  • Trésor de soie: Verkauf von Werkstattprodukten und handgefertigten Artikeln.
  • Le carré de soie: Verkauf von gewebten oder handbemalten Artikeln.

Ob Sie Seidenliebhaber oder einfach nur neugierig sind, hier finden Sie Ihr Glück.